Mein Nairobi

Sanaa Mtaani - Kunst in der Stadt

Mein Nairobi

von Isabella Schulz

 

Immer, wenn ich neu an einen Ort komme, entwickle ich innerhalb kurzer Zeit irgendein Gefühl für diesen Ort. Das kann von völliger Ablehnung bis zu komplett verliebt reichen. Aber trotzdem fühle ich mich irgendwie verbunden mit dem Ort, an dem ich bin.

Bei Nairobi war das nicht der Fall. Ich bin jetzt von Haus aus kein besonderer Fan von Großstädten. Aber zu Nairobi konnte ich irgendwie überhaupt keine Verbindung aufbauen. Für mich war die Stadt einfach eine gesichtslose Großstadt, wie jede andere auch auf der Welt.Vielleicht lag es daran, dass ich vorher schon in einigen anderen ostafrikanischen Großstädten war und etwas ganz anderes erwartet hatte. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass wir recht nah am CBD (Central Business District) unser Hotel hatten. Mit Blick auf all die Glasfassaden-Hochhäuser mit ihren Anzugträgern und Coffee Shops. Mit all den gehetzten Menschen, die zu ihren Meetings eilen.

Wir hatten uns öfter einfach durch das Getümmel treiben lassen, auch außerhalb des CBD. Natürlich hat mir das auch Spaß gemacht, durch dieses Moloch an Menschen, Autos, Bussen und Waren jeglicher Art zu schlendern. Einzutauchen in ein vermeintliches Chaos, dessen Ordnung sich dem ortsfremden Betrachter nur schwer erschließt.

Im Gegensatz dazu waren natürlich die Künstlertreffpunkte, wie Kuona Trust. Als ruhige, kreative Oasen liegen sie in einem wilden Großstadtmeer, umtost von der Hektik des Alltags. Aber auch dort konnte ich nicht wirklich zur Ruhe kommen. Immer hatte ich das Gefühl, an diesen, doch sehr behüteten Orten, etwas Wichtiges zu verpassen.

Insgesamt waren diese 10 Tage Nairobi für mich sehr rastlos. Es hat mir viel Spaß gemacht, mit einem Arbeitsauftrag eine unbekannte Stadt zu erforschen. Das hat alles auch ein bisschen strukturiert, weil man mit einem bestimmten Filter im Blick durch die Straßen läuft. Dennoch habe ich nicht wirklich einen Draht zu dieser Stadt gefunden, auch wenn ich die Tage dort doch nicht missen will. Gerne würde ich noch einmal zurückkommen nach Nairobi. Mit mehr Zeit im Gepäck. Und vielleicht etwas außerhalb wohnen. Vielleicht gelingt es mir dann, eine Verbindung zu dieser Stadt aufzubauen, was mir dieses mal überhaupt nicht gelungen ist.

Einblicke in die gegenwärtige Kunst Nairobis.

Dieses Projekt wird gefördert durch die Stipendiatische Projektkommission der Hans-Böckler-Stiftung